StrandBlick Oktober 2023
50 StrandBlick Oktober | 2023 Lübeck Lübeck erzählt uns die schönsten Geschichten Sie war immer Muse für Maler und Dichter: ihre Kirchen, ihre Häuser, ihre Gassen, nicht zuletzt ihre Menschen sind für viele eine Inspiration. Und so ist es noch heute. Erst vor Kurzem sind wieder zwei Bücher erschienen, die sich rund um die Hansestadt und ihre Historie drehen: „Mein Lübeck“ von Klaus Ungerer und „Der Duft von Marzipan“ von Anna Husen. „Eine Stadt entsteht, wo Traum, Wille und Machbarkeit sich vereinen. Wo die Wünsche der Menschen sich als Handelslinien schnei- den. Wo die See den Mutigen Versprechun- gen macht... Lübeck musste hier entstehen, von der Sache her. Dass es eben nicht exakt hier entstand, an der Travemündung, liegt na- türlich an der Gier und Bosheit der Menschen. Denn wo ein Traum gelebt werden soll, da muss er auch verteidigt werden. Travemünde aber ist nicht zu verteidigen, es sei denn, du hättest einen Riesen dafür, der Felsen seit- wärts in die Flotten feuert und ebenso in die anrückenden Armeen, die prinzipiell vonüber- allher kommen können, von Mecklenburg im Osten wie von Holstein im Norden oder die Trave entlang und am besten noch bergab, johlend, die Steilküste herunter.“ So beschreibt Klaus Ungerer sein Lübeck, und er widmet dieser besonderen Stadt dann auch eine unterhaltsame Beschreibung der zauberhaften Eindrücke, die sich einprägen. Der Autor hat sie so intensiv genossen wie es eben nur ein Lübecker kann. Ungerer wuchs mittendrin auf, zwischen uralten Backstein- häuschen, im Schatten der riesigen Kirch- türme. Vom Travemünder Strand aus führt er uns dann auch tief in die Geschichte der Ost- seestadt und in seine eigene. Er erzählt von seiner Lehrerin Frau Bolm, die aus Kindern stolze Hanseaten machte, von seiner Groß- mutter, die ihm die abgestürzten Kirchturm- glocken aus der Bombennacht 1942 zeigte, vom zerschlagenen Rettungsboot der „Pamir“ und von einer Liebesgeschichte, über die ganz Lübeck sprach. „Mein Lübeck“ ist erschienen immareverlag, ISBN 978-3-86648-705-5. „Luisa wollte mit ihrer Schwester eigentlich nicht darüber reden, aber die Aussicht auf ei- nen guten Kaffee und ein gutes Stück Kuchen lockte sie. Sie ließ den Blick über die Unter- trave und die Häuser schweifen, die sich vor ihnen erhoben. Drei- und viereckige Giebel- häuser reihten sich unermüdlich aneinander. Rote Backsteine, weiße Fassaden und viele lang gezogene Fenster ließen die Häuser noch schmaler wirken als sie waren. Luisas Blick wanderte die Holstentorstraße hinauf, die sich vor ihnen in einer leichten Steigung erhob. Man hätte denken können, dass diese wunderschöne Stadt nicht vom Krieg heim- gesucht worden war. Aber Luisa erinnerte sich immer noch mit Schrecken an die Bomben, an den sirenenden Alarm, der die Menschen aufrief, die Luftschutzbunker aufzusuchen.“ Anna Husen, geboren 1996, ist ausgebildete Medienkauffrau und lebt an der wunderschö- nen Ostseeküste. Schon früh hat sie ihre Be- geisterung für das Schreiben entdeckt, da sie das Lesen immer geliebt hat und gern eigene Geschichten erschaffen wollte. Ihr Buch „Der Duft von Marzipan“ nimmt uns mit auf eine Zeitreise mit Annas Freundin Luisa, die anno 1957 am Lübecker Holstentor ihrer großen Liebe Henry begegnet. Dass Luisas Vater völlig unerwartet den Kontakt zu Henry verbietet und auch Henrys Vater, ein in der Hansestadt bekannter Marzipanfabri- kant, sich dem Kontaktverbot anschließt, kann das junge Paar nicht erschüttern. Sie möchten den Grund ermitteln und gehen auf Spuren- suche, zurück bis zum Ersten Weltkrieg, „ Der Duft von Marzipan“ ist erschienen im Knaur-Verlag, ISBN 978-3-426-52922-5. Schöne alte Häuser, umrankt von Blumen und Bäumen, verleihen der Stadt ihren Charme Die schmalen, verwinkelten Häusergassen und liebevoll geschmückten Höfe gehören dazu Die Trave zieht sich quer durch die Stadt. Natur-Gebiet mit vielen Seevögeln Verträumt und schön: die Kirche am Park und nicht weit von der Trave Das Wahrzeichen thront prägnant in der Mitte: Lübecks „Holstentor“, 1478 erbaut, gehört eigentlich zu den Überresten der Stadtbefestigung. Heute prägt es das Stadtbild. Fotos: Beate Stroink
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