StrandBlick September 2023

32 StrandBlick September | 2023 Ostholstein Köstlich, rund, kerngesund: Holsteiner Äpfel „An apple a day keeps the doctor away“, wissen die Briten, und ein Schlagertext warnt: „Beiß’ nicht gleich in jeden Apfel, er könnte sauer sein.“ Tatsächlich soll ein goldener Zankapfel zum Trojanischen Krieg geführt haben, und verführen kann man mit dem Apfel auch ganz gut, wie die Geschichte von Adam und Eva beweist. Also: probieren! Jetzt ist Apfelzeit. Verführerisch rot und rund glitzert er in der Spätsommersonne. Fruchtig, knackig, frisch, wartet er darauf, gepflückt, gebissen, genos- sen zu werden: der Apfel. Viele Sorten, viele Namen, aber immer derselbe Mythos. Es war ein Apfel, den Liebesgöttin Aphrodite als Symbol in ihren Händen trug. Ein Apfel, der die göttlichen Asen unsterblich machte. Es war auch ein Apfel, mit dem Eva laut Bibel- Übersetzung Adam „zur Sünde“ verführte und damit das Wohnrecht im Paradies verwirkte. In der Literatur hat ihm die Sage umWilhelm Tell ein Denkmal gesetzt. Der Apfel, den der Schweizer Meisterschütze und Nationalheld auf Geheiß des Habsburgischen Landvogts seinem Sohn vom Kopf schießen musste, löste einen Volksaufstand gegen die Herrschaft aus. Sogar in der Physik spielt die Fruchtle- gende eine Rolle. Isaac Newton soll einen fal- lenden Apfel benutzt haben, um dem Gesetz der Schwerkraft auf die Spur zu kommen. Statistiker wissen alles über den Apfel: rund 17 Kilo dieser Frucht isst jeder Deutsche pro Jahr. Elf Liter Apfelsaft rinnen jährlich durch deutsche Kehlen. Weltweit gibt es 20.000 Ap- felsorten, aber nur ein Bruchteil, rund 1000, wachsen in Deutschland. Und nur vier gän- gige Apfelsorten decken rund 70 Prozent des europäischen Apfelmarktes ab. Deutsche Obstbauern haben im vergangenen Jahr eine überdurchschnittlich gute Ernte eingefahren. Mit rund 1,1 Millionen Tonnen lag die Apfel- ernte etwa 66.000 Tonnen (6,6 Prozent) über dem Ergebnis von 2021, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Vergleich zum lang- jährigen Mittel der Jahre 2012 bis 2021 fiel die Apfelernte 2022 sogar rund 100.000 Tonnen und damit 10,3 Prozent höher aus. Seinen wichtigsten Platz hat der Apfel aller- dings auf unserem täglichen Speiseplan. Kaum eine andere Frucht strotzt so von Vit- aminen und Mineralstoffen und hat so viel- seitige gesundheitsfördernde Wirkung. Äpfel, so weiß man, regulieren die Verdauung, sta- bilisieren die Darmflora und damit das Im- munsystem, mindern Nervosität und Reizbar- keit, senken (durch das enthaltene Pektin) den Cholesterinspiegel und beugen Herzinfarkten vor. Seine Phenolverbindungen schützen vor Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankun- gen und hemmen Viren und Bakterien. Und die in der Frucht enthaltenen Flavonoide und Carotinoide haben eine antioxidative Wirkung im Organismus und sollen sogar das Krebs- risiko mindern. „An apple a day“ ist also empfehlenswert. Das werden Ihnen erfahrene Pomologen gern be- stätigen. Echte Fans der vielseitigen Frucht findet man zum Beispiel in Klingberg: Die idyl- lische Ortschaft am Großen Pönitzer See wurde einst von Apfelbauern gegründet. Noch heute findet man hier noch immer kräf- tige Apfelbäume, denen man alljährlich ein Apfelfest widmet. Den Bericht übe das dies- jährige Fest finden Sie auf Seite 33. Auch in Lübeck gibt es eine Apfel-Hommage: am 30. September von 11.00 bis 16.00 Uhr kommen viele Obstfreunde zum „Lübecker Apfeltag“ bei St. Jakobi. Hier findet man an vielen Ständen ökologisch-nachhaltige Pro- dukte und einige Experten, die gern über re- gionale Obstsorten, Kultur- und Anbautech- niken informieren und eine anschauliche Sonderausstellung präsentieren. Veranstalter ist das Lübecker Museum für Natur und Umwelt. Der Eintritt ist frei. Saftig, köstlich, frisch gepflückt: Die Holsteiner Äpfel sind ein besonderer Genuss Am meisten Spaß macht es, selbst auszusuchen und den schönsten Äpfel abzupflücken Am 30. September kommen viele Obstfreunde zum Lübecker Apfeltag bei St. Jakobi (c) MNU „Wat’n Appel“ staunt man im Norden, wenn diese Prachtexemplare pflückreif sind Jetzt ist es wieder so weit: Die Äpfel sind reif und werden gepflückt - ein gesunder Herbst-Genuss. In Ostholstein widmet man den heimischen Früchten jedes Jahr ein Apfelfest.

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