StrandBlick Juni 2023

34 St rand B li c k Juni | 2023 Ostholstein Wandern, entspannen: Auszeiten für die Seele Stress im Alltag ist heute schon weit verbreitet: Im Büro, im Geschäft, im Handwerk und nicht zuletzt im „Doppeljob“ mit Office, Haushalt, Kindern - überall ist die Anspannung groß, die Freizeit gering. „Wir brauchen eine Auszeit“, sagen viele - aber wie und wo? Wie wäre es mit einer gemeinsamen Wanderung durch unsere wunderschöne Natur! Es ist 20.00 Uhr am Abend. Im nahen Hansa- Park Sierksdorf sind die Besucher längst ge- gangen und die Fahrgeschäfte stehen still. Die Sonne scheint, und auf den Wiesen tum- meln sich Kaninchen, während ein Stück wei- ter ein Rüttelfalke in der Luft stehend Aus- schau nach Beute hält. Ein Duft nach verblühendem Raps liegt in der Luft. Ein Dutzend Menschen hat sich beim Parkplatz am Ende der Straße Fahrenkroog versam- melt. Auf dem neuen Minigolfplatz werden die letzten Löcher gespielt, ein paar Passanten gehenden Weg an der Steilküste entlang. Die kleine Gruppe wird ihnen gleich nachfol- gen. Doch zunächst stellen sie sich vor: Es sind Frauen und Männer aus der Flötengruppe und dem Posaunenchor der Kirchenge- meinde Süsel sowie aus demTeam, das jedes Jahr den Weltgebetstag vorbereitet. Mit dabei sind auch Annegret und Matthias Isecke- Vogelsang, die als Ehrenamtliche im Rahmen der Sommerkirche des Kirchenkreises Osthol- stein die rund einstündige Wanderung vor- bereitet und an diesemTag zu einem „Probe- lauf“ eingeladen haben. Während diesmal ausschließlich Freunde und Bekannte aus der Kirchengemeinde mitgehen, sind in den Som- mermonaten alle Einheimischen und Touri- sten willkommen, an dieser „Auszeit für die Seele“ teilzunehmen. Solche Auszeiten werden bis Ende August in Sierksdorf, Bad Schwartau, Gle- schendorf, Klingberg und Häven (bei Niendorf) angeboten, jeweils auf unterschiedlichen Routen und von örtlichen Ehrenamtlichen ge- leitet. Die Maßgabe für alle: Die Auszeit soll etwa eine Stunde dauern und der Weg nicht länger als zwei Kilometer lang sein. Dazu gehören spirituelle Impulse, Zei- ten des Schweigens, aber auch Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Teilnehmenden. Thematisch geht es beim Ehe- paar Isecke-Vogelsang um das Wasser. Wel- che Farbe hat das Meer, wenn man von der Steilküste aus darauf blickt? Sind die Wellen zu hören? Duftet es nach Meerwasser? Das sind einige der Fragen, über die in den ersten zehn Minuten des gemeinsamen Weges nachgedacht werden kann. „Diese Stunde ge- hört ganz Ihnen. Es ist eine Auszeit für die Seele. Jede und jeder achtet auf sich. Was die anderen machen, ist nicht wichtig“, sagt Mat- thias Isecke-Vogelsang, bevor sich die Gruppe in Bewegung setzt. Und erst einmal wird ge- schwiegen.Es fällt nicht ganz leicht, sich dabei auf das Meer zu konzentrieren. Denn die er- sten Schritte führen durch eine blühende Sommerwiese, in der auch noch einzelne Bie- nen unterwegs sind, was ebenso reizvoll an- zuschauen ist wie das weite Blau. Es ist eine Szenerie aus dem Bilderbuch. Nach einigen Hundert Metern sammelt sich die Gruppe. Annegret Vogelsang fragt, was unterwegs zu sehen war. Wie ist das über- haupt mit dem Wasser? Welche Gewässer haben jeden Einzelnen selbst geprägt? Was bedeuten einem persönlich bestimmte Seen, Flüsse oder Meere? Sind die Erfahrungen alle positiv? Und im übertragenen Sinne: aus wel- chen Quellen schöpfe ich Kraft für mein eige- nes Leben? Über diese Fragen kommen die Teilnehmen- den auf dem nächsten Abschnitt ins Ge- spräch. Eine Frau erinnert sich an ihre Zeit in Heidelberg. Damals hatte sie ein Szene mit- erlebt, bei der ein Auto bei Sturm von einer Fähre in den Neckar stürzte. Ein Kind wurde Tage später tot geborgen. „Da ist Wasser dann durchaus auch eine Bedrohung“, erzählt sie einem anderen Teilnehmer. Eine Frau fühlt sich wiederum an ihre Studi- enzeit erinnert. Damals war sie drei Wochen im Iran, in einer wüsten Landschaft. Als sie in Hamburg wieder aus dem Flugzeug stieg und den Wind und Nieselregen auf der Haut spürte, da wusste sie: „Das ist Zuhause. Das war mir vorher nicht klar.“ Vom Steilufer geht es runter an den Strand. Matthias Isecke-Vogelsang stimmt das Lied Himmel, Erde, Luft und Meer aus dem Evan- gelischen Gesangbuch an. Darüber wird auf dem Weg zurück nachgedacht und gespro- chen. Im Wasser steht ein Mann und angelt. Er achtet nicht auf die Spaziergänger. Zwei Schwäne fliegen vorbei, ihr Flügelschlag ist gut zu hören. Mehlschwalben zischen durch die Abendluft. Wellen schwappen an den Strand. „Es war ein rundum gelungener Abend“, resümiert Ute Wiesenberg aus Neu- stadt. Und das war nur die Generalprobe. Die nächsten Auszeiten für die Seele finden in Sierksdorf am Mittwoch, 14. Juni um 9.00 Uhr sowie am Montag, 19. Juni um 20.00 Uhr statt. Treffpunkt am Parkplatz am Ende der Straße Fahrenkroog (Nähe Minigolfplatz). In Gleschendorf trifft sich am Samstag, 10. Juni, um 16.00 Uhr am Alten Pastorat (Am Kirchberg 2) eine Gruppe und geht auf ei- nem Rundweg über die Festwiese an der Schwartau und das Pasto- ratsgehölz zurück zum Alten Pa- storat. Die Teilnahme ist kostenlos. Keine Anmeldung erforderlich. Die Aus- zeiten finden bei jedem Wetter statt. Alle Infos finden Sie unter www.kirche-am-strand.de Text+ Fotos: Marco Heinen Mit Achtsamkeit wandern, genau hinschauen: Hier kann man Natur neu entdecken Ein Duft nach Raps liegt in der Luft, als die Wandergruppe zu ihrem Ausflug startet. Etwa eine Stunde wandern - das erfrischt die Seele! Schritt für Schritt mit schönstem Blick vom Steilufer auf die Ostsee

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