StrandBlick September 2021
34 StrandBlick September | 2021 Scharbeutz Alles begann schon imMittelalter... ...denn schon damals gab es die beschaulichen Dörfer im Binnenland nahe der Küste. Vor 800 Jahren entstand das idyl- lisch gelegene Pönitz, vor 750 Jahren Schürsdorf und Scharbeutz. Alle drei haben eine lange, unterhaltsame Geschichte, die man nun in einem Buch nachlesen kann: pünktlich zum Jubiläum wurde die Chronik „Drei Dörfer“ vorgestellt. Es ist nicht die Zeit für rauschende Feste, aber die Jubiläen von Pönitz, Scharbeutz und Schürsdorf sind sicher ein Anlass, ihre Ge- schichte nachzulesen. Das Museum für Regio- nalgeschichte in Pönitz hat das reich bebil- derte Buch „Drei Dörfer – Der lange Weg vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert“ herausge- geben und bei der Eröff- nung einer Sonderaus- stellung imMuseum nun ganz offiziell der Öffent- lichkeit vorgestellt. Dr. Kersten Jungk, Vorsit- zender des Vereins für Regionalgeschichte, be- schrieb die Entstehungs- geschichte des Buches, stellte seine Coautorin- nen Karin Bühring und Claudia Hönck sowie den Layouter Niki Bong vor und dankte der Ge- meinde Scharbeutz für die Übernahme der Her- stellungskosten. Die Geschichte der drei Dörfer verlief zunächst ganz ähnlich. Erst in den letzten Jahrhunderten entwickel- ten sie sich dann doch recht unterschiedlich; deshalb gibt es in dem Buch nach einem ge- meinsamen Teil für die Entwicklung bis in das Mittelalter für jedes Dorf ein eigenes Kapitel bis ins 21. Jahrhundert. Bettina Schäfer, Bürgermeisterin der Ge- meinde Scharbeutz, lobte in ihrer Rede die Autor*innen: „Nicht jede Gemeinde hat das Glück, engagierte Akteure wie Sie in ihren Rei- hen zu haben, die so eindrucksvoll das Erbe vieler Menschen bewahren. Ich empfehle je- dem, sich auf diese Zeitreise einzulassen.“ Das Buch „Drei Dörfer“ ist imMuseum und bei „Post und Bahn“ in Pönitz für 19,50 € erhältlich. Die Ausstellung wird voraussichtlich bis Mitte Dezember dienstags 15 bis 18 Uhr und am Wochenende jeweils von 14 bis 18 Uhr für Be- sucher geöffnet sein. Der Eintritt ist frei. „Pence“ hieß Pönitz damals. Seitdem sind 800 Jahre vergangen. Ein Grund zum Feiern! Bürgermeisterin Bettina Schäfer (rechts im Bild nimmt die Chronik zum Jubiläum von den drei Autor*innen Dr. Kersten Jungk, Karin Bühring und Claudia Hönck entgegen. Am Anfang standen Hunger und Entbehrung „Schleswig-Holstein wird 75“ lautet die frohe Kunde. Ein guter Grund zur Freude für eine Region, die schon seit Jahr- hunderten beschwört: „...dat se bliven ewich tosamende ungedeelt“. Zur Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland nach dem 2. Weltkrieg ging der Wunsch in Erfüllung. Seit 75 Jahren gibt es das Bundesland Schleswig-Holstein. Man lebte bescheiden; die Dörfer, in denen man jetzt Jubiläum feiert, setzten ganz auf Natur und Landwirtschaft. Ein paar Kühe auf der Weide, ein paar Schafe und Ziegen, Hüh- ner auf dem Hof und ein paar Gänse - das war’s zumeist, und der Ertrag war knapp. Zudem waren die Zeiten sehr bewegt. Zwar konnte man sich imNorden bis 1864 auf einen Verbund mit Dänemark verlassen, aber nach dem deutsch-dänischen Krieg wurde dann alles anders. Dänemark trat die Herzogtümer Schleswig-Holstein und Lauenburg ab. Man war deutsch und folgte dem Weg der Ge- schichte, die durch den ersten direkt in den zweiten Weltkrieg führte. Die ländlichen Re- gionen überstanden die Bombenattacken re- lativ unbeschadet. Nach dem Kriegsende ka- men die Veränderungen: Am 23. August 1946 löste die britische Besatzungsmacht die preu- ßischen Provinzen auf. Seit 1949 ist Schles- wig-Holstein Bundesland. Und die Einwoh- nerzahl ist erheblich gewachsen. Mit 1,5 Millionen Flüchtlingen, vor allem aus dem be- setzten Ostpreußen, stieg die Bevölkerungs- zahl auf 2,6, Millionen. Das heißt: auf vier Ein- heimische kamen damals drei Flüchtlinge. Es gab dennoch wenige Probleme. Sogar der Umstand, dass in dem ganzen Chaos auch etliche Nazis mit falschen Papieren einreisten und später sogar wichtige Ämter bekleideten, konnte die Norddeutschen nicht aus der Ruhe bringen. Mit ihrer typischen Gelassenheit folg- ten sie ganz einfach den Zeichen der Zeit und entwickelten ihr Land zu einem Touristen- mekka, das heute in der Gunst der Feriengä- ste ganz weit oben steht. Die Ausstellung im Pönitzer Museum bietet einen Rückblick mit vielen Facetten, in bescheidene Anfänge und einen sagenhaften Aufschwung. Da war alles noch Natur pur: Schäfer Böckmann anno 1956 auf seiner Weide Galant am Strand: Badegäste in damals angesagter Mode anno 1905 Kartoffelernte am „Bahnhof Gleschendorf“ - dort, wo heute Pönitz liegt
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