StrandBlick Juni 2021

42 St rand B li c k J uni | 2021 Travemünde Wir träumen… Anzeige Die Zeit ist seltsam. Alles ist anders. Menschen mit Masken, seltsam entrückt. Ist das alles tatsächlich wahr? Oder träumen wir nur? Anja Es hat als Künstlerin in der Corona-Zeit so manchen Alptraum durchlebt. Hier schildert sie eine Situation, die wohl auf die gesamte Kultur-Szene zutrifft und sich vielleicht bald ein wenig ändern wird. Gestern Nacht bin ich aufgetreten. In Kopen- hagen spielte ich auf einer sehr flachen, 30 cm hohen Bühne. Alles lief super und das Pu- blikum war begeistert. Am Ende kamen alle auf die Bühne und umarmten mich. Zwei Frauen reichten mir ein Buch zum Signieren. Ich unterschrieb und stellte dann fest, dass es in Wirklichkeit ein Haft- befehl war. Zum Glück erwacht man spätestens beim Weckerklingeln auch aus den fiesesten Träumen. Im echten Leben warte ich auf dieses erlösende Ge- räusch seit über einem Jahr und mit mir die ganze Welt. Mein Traum offenbart das ganze Elend, in dem nicht nur wir Künst- ler*innen stecken: Alles, was zu uns als Mensch, als Kunst- und Kultur- schaffende gehört – das Reisen, Auftreten, die Nähe zum Publikum – ist verboten, und wer es trotzdem macht, zum Beispiel, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, wird bestraft. Als vernunftbegabte und verantwortungs- volle Mitbürgerin kann ich die Maßnahmen sowohl nachvollziehen als auch umsetzen. Ich leiste meinen Beitrag zur Überwindung dieses Alptraums namens Pandemie aber meine Seele flüchtet sich immer öfter in die Welt der Träume. Ich glaube, mit mir sind viele Men- schen in diesen Zeiten auf Traumreise. Wie ich träumen sie von fremden Orten, menschlicher Nähe, Freiheit und Unbe- schwertheit. Man könnte es auch Urlaub nen- nen. Urlaub von einem Alltag, der uns allen so viel abfordert. Ein bisschen davon ist bei uns in Schleswig-Holstein gerade wieder möglich. Mit angezogener Hand- bremse, aber immerhin: Wir dürfen wieder Gäste beherbergen, bewir- ten und uns mit ihnen freuen, am Meer zu sein. Als Galeristin darf ich auf kunst- hungrige Kundschaft hoffen und wieder mehr Menschen zeigen, was Kunst ist. Als Künstlerin würde ich aber gern auch mal wieder vor Publikum stehen. Auf Umarmungen würde ich zähneknirschend verzichten und wäre schon froh, wenn ich nicht „verhaftet“ würde – oder meinen Beruf auf- geben müsste, so wie manche Solo- künstler*innen, die niemals wieder auftreten werden. Eine Welle unheimlicher Veränderungen hat uns alle, vor allem aber die Kunst- und Kulturszene getroffen. Anja Es schildert, wie man sich fühlt. Pflanzen und Tiere ganz aus Sand Anzeige Sie sind wieder da! In diesem Jahr präsentieren die Sand-Künstler in Travemünde über 60 Skulpturen in 25 Bildszenen. Die „sand carver“ gehören zu den Besten ihrer Zunft, und das kann man sehen und bewundern. Auf einer überdachten Ausstellungsfläche von rund 2.500 qm wurden rund 9.500 qm Spezialsand zu Meisterwerken verarbeitet. Auf der großen, überdachten Ausstellungs- fläche am Fischereihafen gibt es neben den römischen Göttinnen „Flora“ und „Fauna“ auch die „Großen Fünf“ der Tierwelt lebensgroß zu bestaunen: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Insgesamt mehr als 60 Bildwerke in 25 Szenen ganz aus Sand führen über die Kontinente, aber auch durch die Geschichte der Erde: Ne- ben Dinosauriern und Nean- dertalern gibt es sogar Ro- bert Koch zu entdecken, der als Mikrobiologe und Medi- ziner an Viren und Bakterien forschte – schließlich ist das ebenfalls ein Teil von Tier- und Pflanzenwelten. Mit den detailverliebten Szenen aus der Arktis, Afrika, Australien oder den Weiten der Meere können die Besucher auf Weltreise gehen und neue, erstaunliche Blickwinkel ent- decken. „Naturschutz und Artenviel- falt sind große, aktuell immer wichtiger werdende Themen, die viele Men- schen beschäftigen“, sagt Ausstellungsleiter Oliver Hartmann. „Mit unseren Sandskulptu- ren machen wir in doppeltem Sinne darauf aufmerksam – mit den Motiven sowie mit dem Material, einer der meist genutzten Na- turressourcen der Erde.“ 25 Sandschnitzer aus 11 europäischen Län- dern, darunter Welt- und Europameister im Sandskulpturenbau, sind auch in diesem Jahr wieder nach Travemünde gekommen, um 10.000 Kubikmeter Sand in wahre Kunst- werke zu verwandeln. „Für uns ist es ein wah- rer Lichtblick, dass die Ausstellung trotz allem zum dritten Mal in Folge in Travemünde mit Meisterwerken der Bildhauerei realisiert wer- den konnte“, so Oliver Hartmann. Geöffnet ist täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr; Besucher wer- den um Vorlage eines Corona-Tests oder ei- ner Impfbescheinigung gebeten. Aschenputtel ganz aus Sand: Märchenhafte Szenen in der Sand World Travemünde Sorgsam werden die Formen perfektioniert für die eindrucksvollen Skulpturen aus Sand. Foto: N. Rankovic

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