StrandBlick Mai 2021
32 StrandBlick Mai | 2021 Travemünde Anzeige Im Alloheim Seniorenzentrum Travemünde sind ausländische MitarbeiterInnen willkommen „Meine Güte“, lacht Chiara Stella, „das war wirklich eine lange Reise!“ Die 30-Jährige, die alle mit ihrem sonnigen Gemüt verzaubert, stammt aus Apulien im Südosten Italiens, ar- beitet als Pflege-Hilfskraft im Alloheim Senio- renzentrum Travemünde und eine ihrer der- zeit liebsten deutschen Formulierungen ist dieses hübsche „Meine Güte!“. Damit hat man bereits eine Menge über Chiara Stella erfahren. Pflege-Hilfskraft ist nämlich schon eine erste Stufe ihres „Karriere- Plans im Kopf“ – angefangen hat sie imHouse- keeping eines anderen Seniorenzentrums, als Reinigungskraft. „Ich will in der Pflege weiter- kommen“, sagt sie. Der nächste Schritt als Pflege-Helferin wird schon ein bisschen kom- plexer: Ein Jahr Ausbildung und ein erfolgrei- cher B2-Deutschkurs sind die Voraussetzun- gen. Die Ausbildung zur Pflegefachfrau würde dann, nach einem fachsprachlichen Test, noch einmal drei Jahre dauern. Doch die lernbegierige junge Frau wird sich davon nicht schrecken lassen. Schließlich hat sie, von ihrer Schwester nach Deutschland ge- lotst, inzwischen „fast jeden Tag ein neues Wort gelernt“ und sie erhält, trotz holpriger Aussprache, viel Bestätigung. „Die alten Men- schen“, sagt sie, „freuen sich immer, wenn ich komme“. Auch habe der Leiter des Senioren- zentrums, Marco Sievert, „sehr viel Geduld“ mit ihr. Und schließlich ist da noch das Pflege- Team, von dem sie – so Sieverts Beobachtung –„super aufgefangen“ werde. Der gelungene Start von Chiara Stella hängt auch damit zusammen, dass im Seniorenzen- trum an der Ostseestraße „Multinationalität“ groß geschrieben wird. 13 MitarbeiterInnen aus zehn verschiedenen Ländern – darunter z.B. Litauen und Jemen – sind hier tätig, in ganz unterschiedlichen Funktionen. Aktuell sind zwei Auszubildende, die aus Vietnam stammen, dazu gekommen, empfohlen von den Ludwig Fresenius Schulen in Lübeck. Ein- richtungsleiter Sievert pflegt einen „guten Kontakt“ zu dem weithin anerkannten Lehr- institut; dort gibt es einen Studiengang für Pflege und Pädagogik. Trotz gelegentlicher Gegenbeispiele haben die Unternehmen, die Pflegekräfte aus dem Ausland eingestellt haben, laut einer Bertels- mann-Studie, „alles in allem mit diesen Mit- arbeiterInnen positive Erfahrungen gemacht“. Das zentrale Nadelöhr, so ein Pflegereport, bleibt die Beherrschung der deutschen Spra- che – schließlich ist in der Pflege „Kommuni- kation von zentraler Bedeutung“. Auch kultu- relle Unterschiede spielen manches Mal eine Rolle, speziell in der Grundpflege. Wobei Marco Sievert für Travemünde betont: „Wir haben damit bisher keinerlei Probleme be- obachten können!“ Neben der Berufsausbildung, wie sie Chiara Stella ansteuert, gibt es auch noch die „Be- rufsausbildungsanerkennung“ für Pflege- kräfte mit einer im Ausland abgeschlossenen beruflichen Ausbildung. Dabei wird geprüft, ob der ausländische Berufsabschluss ganz oder teilweise dem deutschen entspricht. Das liegt auf der Hand, denn das hiesige Berufs- bild des examinierten Altenpflegers existiert international gar nicht. Die Bundesagentur für Arbeit hat, nach ihrer Erhebung von 2018, rund 70.000 ausländi- sche MitarbeiterInnen in der Altenpflege ge- zählt. Seit März 2000 gibt es das Fachkräf- teeinwanderungsgesetz, nachdem zuvor lange Zeit das Engagement einer ausländi- schen Pflegekraft die Ausnahme war. Auch benötigen Arbeitnehmer aus den EU-Mit- gliedsstaaten mittlerweile keine Arbeitser- laubnis mehr. Von diesen Möglichkeiten wird kräftig Ge- brauch gemacht, wie das Beispiel des Allo- heim Seniorenzentrums Travemünde zeigt. Bundesweit haben sich MitarbeiterInnen aus 113 Ländern dem Motto „Wir dienen Ihrer Le- bensqualität“ des zweitgrößten privatwirt- schaftlichen Anbieter von Pflegeplätzen Allo- heim verpflichtet. „Meine Güte!“: Da wird sich das Problem mit der anspruchsvollen deut- schen Sprache doch auch noch lösen lassen. Residenzleiter Marco Sievert mit Chiara Stella, die in Zukunft auch ihre Ausbildung hier machen möchte Multinationales Team: Im Alloheim Seniorenzentrum Travemünde sorgen examinierte Pflegekräfte mit Herz und Engagement für Seniorinnen und Senioren Multinationalität wird groß geschrieben
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