StrandBlick Oktober 2020

16 StrandBlick Oktober | 2020 Timmendorfer Strand Von „Hemmingestorpe“ bis Hemmelsdorf Grüne Flächen und ein Wanderweg rund ums Ufer, gemütliche Fischerboote... und die Sonne glitzert im See. Schöne Stimmung in Hemmelsdorf. Früher nannte man diese Idylle „Hemmingestorpe“. Ein Dorf mit 700 Jahren Geschichte, die man bis Ende November auf 22 Tafeln in der Trinkkurhalle entdecken kann - täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr. Eine Gänseschar fliegt über den See; ein paar Radfahrer schauen in den Himmel. An der weit geschwungenen Brücke am See starten zwei Fischer zum Angelausflug. So ruhig und entspannt war es nicht immer in Hemmelsdorf. Wie wild und ungestüm einst die Ahnen um Macht und Boden gekämpft haben, kann man heute bei einem Besuch der Ausstellung in der Timmendorfer Trink- kurhalle nachvollziehen. Vor fünf Jahren fand Frank Miersen, Wehrführer der Dorfschaft Hemmelsdorf, beim Aufräumen im Geräte- haus der Freiwilligen Feuerwehr mehr als 100 Jahre alte Dorfschafts-Protokolle. Die vorgefundenen Einzelheiten wurden im weiteren Verlauf im Archiv der Hansestadt Lübeck, in der Eutiner Landesbibliothek und schließlich im Landesarchiv im Prinzenpalais in Schleswig recherchiert. Die ganze Geschichte reicht weit zurück. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert haben sich die Wenden im Zuge der Völkerwanderung hier niedergelassen. Auf ihre Anwesenheit weist unter anderem ein Fund hin, den Fischermei- ster Walter Schierbaum 1976 im See fand: ein Einbaum aus Eiche, vom Museumsdirektor in Schleswig als Boot der Wenden bestätigt. Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt durch die Herrschaft der Ritter und des Adels. Anno 1319 tauchte erstmals der Name der Dorfschaft auf: Da wurde ein Lemmeke von Buchwald „wohnhaft tho Hemmingestorpe“ in einer Verkaufsurkunde erwähnt. Anno 1461 tritt dann ein Klaus von Buchwald auf, der dem Lübecker Domkapitel das Dorf Hem- melsdorf mitsamt dem See und einem Teil von Groß- und Klein-Timmendorf für 8000 Mark verkaufte. König Christian I. von Däne- mark verzichtete auf die landesrechtlichen Ansprüche. Von nun an übte das Domkapitel die landesherrlichen Rechte aus. Es folgten weitere stürmische Jahre: Großbrand und Sturmflut hat das Dorf überstanden, auch die Herrschaft des Domkapitels, als die Bauern von Erbpächtern zu Eigentümern wurden. Eine besondere Rolle spielte die Familie Schierbaum. Anno 1900 hatte Ludwig Karl Albert Schierbaum die alte Hofstelle des Fischermeisters Dummersdorf gekauft und damit die Erbpacht erhalten. Die Seepacht blieb in der Familie: Am 1. Januar 1961 über- nahm sie Walter Schierbaum, und unter seiner Regie entstand der bekannte Fischereihof mit frisch geräucherten Aalen, leckeren Fischbröt- chen und nicht zuletzt mit der jährlichen Segelregatta um den „Walter Pott“, bei der das ganze Dorf zum Feiern kam. Im Juni 2012 begann ein neues Kapitel mit ei- nem vom Land geförderten „Leuchtturmpro- jekt“. Jetzt entstand ein Gebäudeensemble aus vier reetgedeckten Häusern und einem Fischrestaurant, hervorragend konzipiert, aber ohne die Familie Schierbaum. Der Kontakt zu den Einheimischen brach ab; geplant ist eine vorwiegend touristische Nutzung, die bislang auf Erfolg wartet. Momentan ruht der Betrieb, der dritte Pächter soll aber bald aktiv werden. Dennoch gibt es Grund zum Feiern: das Fest zum 700-jährigen Bestehen der Dorfschaft wurde im Sommer mit der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses verbunden. Die Fundstücke der Dorfgeschichte kann man jetzt in der Trinkkurhalle entdecken. Unsere Informationen stammen aus der Chro- nik von Friedrich Manthe, erschienen 1992 bei PMDruck, Timmendorfer Strand. I.R. Ausstellungseröffnung in der Trinkkurhalle mit Melanie Puschaddel-Freitag (stellv. Bürgermeis- terin), Bärbel Rieger (Dorfvorsteherin Hemmels- dorf) Stephanie Scheel und Hartmut Schwarz Hier hat das ganze Dorf gefeiert - im Jahr 2000 bei Schierbaum’s „Walter Pott“ Das Gebäude-Ensemble auf dem ehemaligen Schierbaum-Gelände bleibt im Bild der Tradition Die Ruhe, die Stimmung, die Sonne: die Plätze am See sind seit jeher sehr begehrt Die traumhafte Lage und das authentische Ambiente machen das „Leuchtturmprojekt“ am Hemmelsdorfer See zu einer Attraktion in der Region

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