StrandBlick Februar 2020
42 StrandBlick Februar | 2020 Lübeck Störtebeker & Konsorten im Hansemuseum Mit „Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit?“ zeigt das Europäische Hansemuseum noch bis zum 19. April 2020 eine bis dahin einzigartige Sonderausstellung über die Piraterie zur Zeit der Hanse und in der Gegenwart. In diesem Zu- sammenhang kehrt die Legende von Störtebeker an ihren Entstehungsort zurück. Ein bärtiger Kopf mit Augenklappe blickt auf die Straßen Lübecks: Das Logo der Ausstel- lung „Störtebeker & Konsorten – Piraten der Hansezeit“ im Europäischen Hansemuseum zeigt einen stilisierten Freibeuter. Klischees, Mythen und Legenden prägen die Vorstellung von Piraterie: Dank Johnny Depp denken wir erst an Rum und Karibik, bei Störtebeker dann an den kopflosen Helden. Und wird heute vor Nigeria ein Schiff entführt, spricht die Presse von lebensgefährdender Kriminalität. Die Sonderausstellung im Burgkloster des Euro- päischen Hansemuseums geht dem Mythos der Piraterie auf den Grund. Wer war Störte- beker? Wer ist gut, wer böse? Und sprach man im Mittelalter vom Seeraub? Ausschmückungen prägen das landläufige Bild der Piraterie. Aber wer waren die „Vitalienbrüder“ und ihre Anführer wirklich? Gerade an einer Figur wie Störtebeker zeigt sich der Verlauf einer Legendenbildung. Aus den Quellen lassen sich viele Varianten des sogenannten „Robin Hood der Meere“ nach- zeichnen. Den vielleicht wichtigsten Nachweis bietet eine im Burgkloster, das heute Teil des Europäischen Hansemuseums ist, ab 1416 ver- fasste Chronik des Lübecker Mönchs Her- mann Korner (ca. 1386-1438). Etwa 500 Jahre nach der Entstehung kehrt diese Legende Störtebekers mit der Sonderausstellung an ihren Ursprung zurück. Anhand von Einzelschicksalen der zur See tä- tigen Akteure zeichnet die Ausstellung ein ex- aktes Bild der Piraterie im Spätmittelalter. Die Biographien von Gödeke Michels, Bartholo- mäus Voet, Paul Beneke und anderen bilden den roten Faden durch die Ausstellung. Schiffsmodelle und das originale Rüstzeug der „Piraten“ und Piratenjäger werden aus- gestellt: Schwert, Kettenhemd, Dolch, Kanone – die jedoch nur selten bei der Güterweg- nahme, dem „Seeraub“ zum Einsatz kamen. Hansezeit und moderne Piraterie Zum ersten Mal wagt eine Ausstellung die Ge- genüberstellung der Piraterie im Nord- und Ostseeraum zwischen dem 14. und 16. Jahr- hundert mit den gegenwärtigen Formen der Piraterie etwa vor den Küsten Somalias und Nigerias. Hier werden Parallelen zwischen den Gewaltunternehmern der Hansezeit und der Gegenwart deutlich. In beiden Fällen gilt das Zitat des Journalisten Michael Scott Moore, der selbst Opfer einer Entführung durch Pira- ten wurde: „Piraterie ist eine Form des Kapi- talismus: Es gibt die Financiers, die mächtigen Männer im Hintergrund. Und die Wächter, für die das ein Job ist.“ (Zeitmagazin). Moore wird am 20. Februar 2020 für eine Lesung ins Eu- ropäische Hansemuseum kommen. „Störtebeker & Konsorten’“ wurde mit einem jungen, maritimen Ausstellungsdesign im Eu- ropäischen Hansemuseum gestaltet. Das Konzept richtet sich auch an Familien, mit Spielstationen, die Kinder durch die Ausstel- lung leiten. Das Rahmenprogramm vertieft den Ausstellungs-Inhalt mit Vorträgen, Film- vorführungen, Comic-Workshop, Lesungen und Führungen. Neu und schon sehr beliebt ist der Brunch im „Restaurant Nord“: Jeden zweiten und vierten Sonntag lässt sich in Lübecks anspruchsvollster Museumsgastro- nomie zwischen 10 und 13 Uhr nach Herzens- lust schlemmen. Das Angebot beinhaltet ein vielseitiges Brunch-Buffet inklusive veganer Ecke; kleine Konditor-Kreationen kommen aus dem benachbarten Café „Fräulein Brömse“. Dazu gibt‘s jede Menge Kaffee- und Teespe- zialitäten sowie Säfte und Wasser satt. Anzeige Fotos: Olaf Malzahn
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